25 Jahre Buchheimer Selbsthilfe e.V.

Wo liegt Köln-Buchheim und warum sind 25 Jahre etwas Besonderes

Buchheim ist ein rechtsrheinischer Stadtteil von Köln – liegt also auf der „Schäl Sick“ und zwar östlich von Köln-Mülheim, das durch seinen Medien- und Veranstaltungsstandort in der Schanzenstraße mittlerweile sehr bekannt ist. Hier befinden sich die Konzert- und Eventhallen E-Werk und Palladium, aber auch das Schauspiel Köln hat sich hier stärker verwurzelt als anfangs gedacht – ist mehr als ein  „Interim“ bis zur Fertigstellung von Oper und Schauspiel geworden.

Aber die Bahnlinie trennt die beiden Stadtteile scharf und auch Buchheim selbst ist zerschnitten durch verkehrsstarke Durchgangsstraßen und Straßenbahnlinien.

Der Stadtteil Buchheim hat ca. 12500 Einwohner – davon etwas weniger als die Hälfte mit Migrationshintergrund, 3 Kirchen, 7 Kindertagesstätten, 3 Grundschulen,  3 weiterführende Schulen, 1 Berufskolleg, 1 Jugendzentrum,  1 Interkulturelles Zentrum, 2 Beratungseinrichtungen für (junge) Familien und – die BuchSe.

So ist das heute.

Im November 1991,  als Buchheimer Bürgerinnen und Bürger mit Unterstützung von Schulleitern, Kirchenvertretern und Sozialarbeitern  den Verein Buchheimer Selbsthilfe e.V. gründeten, sah das ganz anders aus.

Insbesondere  in der in der 1957 fertig gestellten Siedlung der städtischen Wohnungsgesellschaft Grund und Boden, der „Hermann-Kunz- Siedlung“, gab es viele Familien, viele Kinder, wenige Kita-Plätze, wenige Angebote für Menschen mit wenig Geld und nach der Schule wussten viele Kinder und Jugendliche nicht so recht wohin. Platz zum Hausaufgabenmachen war in den kleinen Wohnungen kaum vorhanden und gespielt wurde eigentlich  immer draußen.

Es gab einige engagierte Frauen und Männer in dieser Siedlung, für die klar war, dass sich etwas in ihrem Veedel  verändern sollte und  dass sie selbst die Initiative ergreifen mussten, wenn sie diese Änderung herbeiführen wollten.

Sie fanden Unterstützer für ihre Sache, gründeten den genannten Verein, der sich    seitdem dafür engagiert,  die Lebensbedingungen der Bewohnerinnen und Bewohner, der Erwachsenen und Kinder des umliegenden Stadtviertels zu verbessern.

Herzstück ist der Bürgerladen – genannt „BuchSe“, der nur in den ersten Jahren bis zum November 1995 ein echter „Laden“ war. Danach erfolgte der Umzug in ein ehemaliges Wohnhaus, das zum Gelände der Firma Stahlhandel Drösser gehört. Geblieben ist der Begriff „BuchSe“ – und die BuchSe ist bekannt in Köln bei Politik und Verwaltung.

Hier werden gezielte Freizeitangebote, aber auch Informations- und Bildungsangebote für alle Generationen durchgeführt und es werden Beratungen für die Bewohnerinnen und Bewohner des Stadtteils angeboten. Es gibt den Nachbarschaftstreff und das offene Frühstück – dies sogar seit 20 Jahren.

Die erste erfolgreiche Aktion insbesondere der Frauen aus der Buchheimer Selbsthilfe war eine Demo für den Erhalt der Spielgruppe. Die sollte nämlich aufgelöst und alle Kinder auf verschiedene Einrichtungen verteilt werden.

Aber es gab doch ohnehin zu wenig Kita- Plätze – also warum nicht die Spielgruppe als Elterninitiative anerkennen? Dafür gingen die Mütter und Kinder erfolgreich  auf die Straße und der Gründung der eingruppigen Kita BuKi (Buchheimer Kinder e.V.)

Stand nichts mehr im Wege – —außer der Skepsis, ob sich eine Elterninitiative in einem Stadtteil mit „besonderem Hilfebedarf“ – oder ehrlicher gesagt, in einem sozialen Brennpunkt, halten würde.

Sie hat – lange gehalten und – erst 2012 unter dem Druck des  KiBiZ aufgegeben. Als eingruppige Einrichtung konnte die BuKi nicht überleben.

Die Buchse selbst war finanziell auch nicht auf Rosen gebettet. Zu Anfang  gab es rund 15.000 DM aus dem sog. Selbsthilfetopf der Stadt Köln. Die wurden aber schon durch Miete und Nebenkosten verbraucht, da war noch kein Angebot da und die Fachkräfte mussten  als  ABM-Stellen alle Jahre wieder neu besetzt werden.

Das änderte sich 1996. In diesem Jahr wurde die Buchse in die Förderung von Gemeinwesenarbeit aufgenommen und erhielt damit die Möglichkeit eine feste Teilzeit-Stelle für Sozialarbeit einzurichten.

Jetzt endlich kam Bewegung in die dringend notwendige Weiterentwicklung der sozialen Infrastruktur:

  • 1997 Gründung eines Mieterrates
  • 2 Projekte aus Landesmitteln
  • Wohnumfeldverschönerungen
  • Im Jahr 2000 endlich Heizungen in der Hermann-Kunz-Siedlung
  • Mietergärten
  • Aus einem Jugendprojekt in der Buchse wird die Jugendeinrichtung TREFFER in Buchheim mit dem Träger Diakonie Köln und Region

Und die beiden im Rahmen des „Modellprojekt Buchheim – sozialräumliche Vernetzung in der Jugendhilfe“ entstandenen Einrichtungen Familienladen (s.u.) und BuchT – Buchheimer Treff (Träger Neukirchner Erziehungsverein) wurden 2005 in die Regelförderung aufgenommen.

Die Buchheimer Selbsthilfe e.V. ist dabei gemeinsam mit der Diakonie Köln und Region  Träger des „Familienladen Buchheim“, einer Einrichtung, die sich in direkter Nachbarschaft des Bürgerladens befindet und insbesondere jungen Familien und Alleinerziehenden durch Beratung und offene Angebote eine feste Anlaufstelle im Stadtteil bietet.

Seit 2006 ist der Verein beauftragt,  das städtische Handlungskonzept „Lebenswerte Veedel – Bürger und Sozialraumorientierung in Köln“ für die Stadtteile Buchheim und Buchforst umzusetzen – eine konsequente Weiterentwicklung aus dem Modellprojekt Buchheim und mittlerweile in 11 sog. Sozialraumgebieten (mehrere Stadtteile zusammengefasst) fest verankert.

25 Jahre Buchheimer Selbsthilfe sind auch 25 Jahre engagiertes Miteinander und daher wirklich ein Grund zum Feiern.

Aus einer Bewohnerinitiative für bessere Wohn- und Lebensbedingungen im Veedel hat sich der Verein zu einem etablierten Träger sozialer Arbeit in und für Köln entwickelt. Mit Stolz und Selbstbewusstsein können alle Beteiligten auf diese Zeit zurückblicken.

Dabei ist die BuchSe immer bodenständig geblieben und konnte seine ehrenamtlichen  Strukturen erhalten bzw. ausbauen, denn als verlässlichen Partner und Berater  hatte und hat der ehrenamtliche Vorstand immer die Arbeiterwohlfahrt Kreisverband Köln e.V. als Dachverband an seiner Seite.

Für die Zukunft wünscht sich die BuchSe – wie alle freien Träger, sicher nicht nur in Köln – eine auskömmliche und sichere Finanzierung ihrer gesellschaftlich notwendigen und wertvollen Arbeit.

Köln, im Juli 2016

Claudia Greven-Thürmer