2022 – Jahrestagung „sozial-kulturelle Arbeit in Nachbarschaftshäusern“

Jahrestagung 2022 – sozial-kulturelle Arbeit in Nachbarschaftshäusern

Sozial-kulturelle Arbeit bezeichnet den historisch gewachsenen Arbeitsansatz von Nachbarschaftshäusern von den Anfängen der Settlement-Bewegung bis heute. Soziale Arbeit und Kulturarbeit werden dabei in Nachbarschaftshäusern so miteinander verbunden, dass darüber möglichst viele Menschen im Gemeinwesen angesprochen werden, mit dem Ziel, Menschen verschiedener Milieus, Lebensstile und Ressourcen miteinander in Kontakt und Austausch zu bringen.

Doch wie sieht im Alltag die Balance zwischen Kultur und Sozialen aus? Erreichen wir das formulierte Ziel und welche Bedeutung haben kulturelle Angebote in Nachbarschaftshäusern. Finden sie einfach statt oder werden sie bewusst konzipiert und gedacht. Auf der Jahrestagung wollen wir den Status quo reflektieren und die besonderen Chancen, die Kulturarbeit in Nachbarschaftshäusern hat diskutieren. Oft kommt im Alltag die methodische Auseinandersetzung mit der ganz spezifischen Methodik, Logik und Wirkung von sozial-kultureller Arbeit zu kurz, auch hierfür wird Raum auf der Jahrestagung sein.

Herzlich laden wir Euch und Sie ein, an dieser Diskussion teilzunehmen, neues zu entdecken, altes wiederzubeleben und gemeinsam zwei inspirierende Tage zu verbringen.

Am Vorabend der Jahrestagung findet die Mitgliederversammlung des VskA Bundesverbandes mit der Neuwahl des Vorstandes statt.

Programm

Tag 1 – Donnerstag, 15. September 9:00 – 21:00 Uhr

9:00 Uhr Ankommen

Beginn Livestream: youtube

Moderation: Robby Schönrich, Interim-Geschäftsführer VskA e.V. Bundesverband

9:30 Uhr Begrüßung durch Stefan Markus, Vorstandsvorsitzender VskA e.V. Bundesverband/ geschäftsführender Vorstand Bürgerhaus Gemeinschaftszentrum Obervieland e.V. und Grußworte des Ortsamtsleiters Obervieland Michael Radolla

10 Uhr Impuls, Praxiseinblicke, Gesprächsrunde und Diskussion

Impulsvortrag: „Das Herz der Nachbarschaftsarbeit schlägt sozial-kulturell“
Eva Bittner, Werkstatt der alten Talente – Theater der Erfahrungen im Nachbarschaftsheim Schöneberg (Berlin) und Markus Runge, Nachbarschaftshaus Urbanstraße (Berlin-Kreuzberg)
Was verstehen wir unter ‚sozial-kulturell‘ und wie viel davon steckt in unseren Einrichtungen? Welche Ziele verfolgen wir mit diesem Arbeitsansatz, welche Bedeutung geben wir der Kulturarbeit in unseren Häusern aktuell? Genießt sie tatsächlich Priorität oder läuft sie eher mit? Wir laden ein, darüber nachzudenken.

Praxiseinblicke durch
– Olaf Löschke, Stadtteilbüro Siemensstadt (Berlin) – Der performative Stadtspaziergang „Siemensstadt und John Rabe“ (https://www.historikerlabor.de/seite/526072/john-rabe-endstation-siemensstadt-(2021).html)
– Lena Hoffmann, Stadtteilzentren inklusiv! (VskA Berlin) – „Kultur und Inklusion“ (https://stadtteilzentren-inklusiv.de/)
– Karin Wolf, Bürgerhaus Gemeinschaftszentrum Obervieland (Bremen) – „Ein Bremer Beispiel“ (https://www.bgo-bremen.de/)

Gesprächsrunde „Fremde Freunde“: BalanceAkt zwischen Kultur und Sozialen zu Stellenwert, Schwierigkeiten und Perspektiven sozial-kultureller Arbeit – Moderation: Prof. Johanna Kaiser, Alice Salomon Hochschule Berlin mit anschließender Frage- und Diskussionsrunde
Gesprächspartner:innen (alphabetisch):
– Joachim Barloschky, Lehrbeauftragter an der Hochschule Bremen für „Soziale Arbeit / Gemeinwesenarbeit“, https://www.barloschky.de/
– Natalie Forstman, Künstlerische Leitung Junge Akteur*innen am Theater Bremen, https://theaterbremen.de/de_DE/ensemble/nathalie-forstman.72576
– Neriman Kurt, https://kotti-berlin.de/stadtteilzentrum-familiengarten/.
– Uwe Machura, Senatsverwaltung für Integration, Arbeit und Soziales, Abteilung Soziales (Berlin)

Ende Livestream
12:45 gemeinsames Mittagessen und Diskussion via zoom Link: https://us02web.zoom.us/j/81887040776 Meeting-ID: 818 8704 0776

12:45 – 13:45 Uhr Mittagspause

13:45 – 15:45 Uhr Projektbesuche (https://www.bremer-buergerhaeuser.de/)
– Bürgerhaus Hemelingen
– Bürgerhaus Weserterrassen
– Quartierszentrum am Sonnenplatz (fußläufig)
– Bürgerhaus Obervieland (Tagungsort)

15:45 Kaffeepause

16:30 – 18:30 Uhr parallele Workshops (Details siehe unten)

19:00 Uhr Buffet / Ein Abend zum Netzwerken
Kulturbeitrag – Improtheater Bremen

Tag 2 – Freitag, 16. September 9:00 – 13:30 Uhr

9:00 Uhr Ankommen
9:30 – 11:30 Uhr parallele Workshops
11:30 Uhr Kaffeepause
12:00 Uhr Abschluss und Ausblick
13:45 Uhr Mittagsimbiss
13:30 Uhr Ende der Tagung

Workshops:

WS 1: Die Gewalt wegzeichnen!
Referentin: Valentina Sartori – Mobile Stadtteilarbeit Freizeithaus e.V. (Berlin)

Die Bildende Künstlerin stellt drei Formate der Mobilen Stadtteilarbeit vor und lädt die Teilnehmer:innen ein, sie auszuprobieren. Diese Formate wurden in unterschiedlichen Grundschulen als Gewaltpräventionsmaßnahme eingesetzt. Ausgehend von der Empathie-Kampagne, werden spielerisch kurze Texte entwickelt, dessen Inhalte interdisziplinär durch die kollektive Portrait-Malerei und Erzähltheater sichtbar und hörbar gemacht werden. Bitte kleckerbare Klamotten mitbringen.

WS 2: Vier Jahrzehnte Erfahrungen mit dem Theater der Erfahrungen
Referentinnen: Eva Bittner/ Prof. Johanna Kaiser – Werkstatt der alten Talente – Theater der Erfahrungen (Berlin)

Von den ersten Gehversuchen zu einem festen Bestandteil Sozialer Kulturarbeit im Stadtteil gab und gibt es viele Berg- und Talfahrten, die sich letztlich in konzeptionellen Fragen und Antworten wiederfinden.
Der Workshop umfasst werden nach einem kleinen praktischen Auftakt die Themen:
– die Krux mit der Gruppenfindung
– die Wirkung von verschiedenen Konstellationen auf Prozess und Produkt
– die Rolle von Kontinuitäten und Brüchen in der Theaterarbeit
Kurze filmische Einblicke geben dazu visuelle Anregungen.
Wir freuen uns auch über die Erfahrungen der Teilnehmenden und einen lebhaften Austausch.

WS 3: Erinnerungskultur im Stadtteil: Spurensuche kolonialer Sprengelkiez
ReferentInnen: Hans-Georg Rennert/ Olanike Famson – Sprengelhaus (Berlin)

Warum mit „Pekinger Platz“ nicht nur ein geographischer Ort gemeint ist und wie dies im Stadtteil zum Thema öffentlicher Diskussion und Aktion gemacht werden kann. Das Projektteam von „Demokratieförderung im Stadtteil“ berichtet über die Aktivitäten im Rahmen der „Spurensuche Kolonialer Sprengelkiez“ in Berlin-Wedding.
Weitere Infos siehe: VSKA-Rundbrief 1-2022. Wir hoffen auf eine angeregte Diskussion.

WS 4: Unser Auftrag – Sozial-Kultur oder Hochkultur?
Referent: Jannik Daum – Bürgerhaus Gemeinschaftszentrum Obervieland (Bremen)

Wo hört Hochkultur auf und wo beginnt Sozial-Kultur? Gibt es überhaupt einen Unterschied und wer setzt hier eigentlich die Grenzen? Eine Ergebnisoffene Diskussion über den Stellenwert der Kultur.

WS 5a (nur am Donnerstag): Sozial-KULTURELLE Arbeit im Nachbarschaftshaus 2025
Referent: Markus Runge – Nachbarschaftshaus Urbanstraße (Berlin)

Vorgestellt wird der seit Anfang 2022 laufende Reflexionsprozess zur eigenen Kulturarbeit des Nachbarschaftshauses Urbanstraße. Wir stellen unsere Kulturarbeit auf den Prüfstand und reflektieren diese: Was an Kulturarbeit hat in den letzten Jahren bei uns Platz erhalten, was hat Unterstützung, was nicht und ist trotzdem geblieben? Ist das, was an Kulturarbeit da ist, gut aufgestellt? Ist das zufriedenstellend, was wir damit erreichen?

Welche kulturellen Stränge oder Ansätze wollen wir in Zukunft weiterentwickeln? Welche neuen Ansätze wollen wir in unsere Arbeit implementieren? Was erscheint uns sinnvoll – bezogen auf unsere Nachbarschaft, auf die unterschiedlichen Zielgruppen und die bestehenden Arbeitsfelder des Nachbarschaftshauses – an kulturellen Ansätzen stärker zu verfolgen? Dieser Workshop soll die Teilnehmenden einladen, die jeweils trägereigene Kulturarbeit zu reflektieren und zu hinterfragen.

WS 5b (nur am Freitag): Kultur macht Ehrenamt. Ehrenamt macht Kultur.
Referentinnen: Barbara Dieckmann/ Ulrike Lahn/ Franziska Jentsch – Mittelhof (Berlin)

Soziale Arbeit und Kulturarbeit werden so miteinander verbunden, dass darüber möglichst viele Menschen verschiedener Milieus, Lebensstile und Ressourcen miteinander in Kontakt und Austausch gebracht werden. Kulturarbeit wird vor Ort in hohem Maße von Ehrenamt geprägt. Welche Fragen stellen sich? Wo wollen wir hin?
status quo in den Stadtteilzentren: Wie ist das Verhältnis zwischen Hauptamt, Freiwilligem Engagement und Honorarkräften in der Kulturarbeit vor Ort? Welche Vor- und Nachteile resultieren daraus? Wer sind die freiwillig Engagierten? Welche Ressourcen bringen sie mit?
Blick nach vorne: Was brauchen die Stadtteilzentren in Zukunft, um soziale Arbeit und Kulturarbeit gut miteinander zu verzahnen? Welche Personalsettings wollen wir in der Zukunft? Was braucht es an spezifischer Unterstützung, z.B. durch Freiwilligenmanagement?